Die Tudorepoche beginnt im Jahr 1485, dauert rund 100 Jahre und wird allgemein als englische Spätgotik bezeichnet, Einflüsse der italienischen Renaissance sind jedoch unverkennbar und vor allem die Favourisierung der spanischen Mode, die Königin Elisabeth mit ihrer Thronübernahme im Jahr 1558 in England einführte.

Spanien steigt Mitte des 16. Jahr-hunderts nach der Entdeckung Amerikas und der Errichtung eines Kolonialreiches zu einer politischen Großmacht auf, die auch auf dem Gebiet der Mode in Europa die Führung übernimmt. Die Renaissance in Kunst und Kleidung findet unter der absolutistischen Königsherrschaft ihr Ende; die Mode dient, wie im Mittelalter, dem Hofe und der Kirche.
Tudor
Die Kleidung sowohl der Männer als auch der Frauen ist eng und versteift. Die Schlitze, die ursprünglich Bequemlichkeit verleihen sollten, verschwinden nach und nach gänzlich. Es dominiert die geometrische Linie.
Figuren wie die Kugel, der Kegel und der Kreis dominieren den menschlichen Körper.

In der Männerkleidung werden weiterhin Wams und Überrock getragen. Die Taille ist so eng, dass auch die Männer nicht ohne Korsett auskommen. Das Wams erhält einen hohen steifen Kragen, die Ärmel liegen glatt an und werden meist angenestelt. Die Verbindungsstelle zwischen Wams und Ärmel wird teils mit Schulterwülsten und Klappen versehen.

Figure as the ball, the cone and the circle circumscribe the human body to hide all natural contours.
Auch trägt man lose herab fallende Zierärmel, die teils an die der Houppelande erinnern, teils auch nur aus glatten Stoffbahnen bestehen. Die Hose gleicht zwei großen Kugeln, die kurzen Mäntel sind kreisrund geschnitten. Als Kopfbedeckung trägt der spanische Herr neben dem Barett vor allem einen Hut mit hohem Kopf und schmaler Krempe. Das wohl charakteristischste Merkmal der spanischen Tracht ist die Krause, auch Kröse genannt. Das Kleid ist bis zum Hals hinauf geschlossen, die Krause scheint, genau wie in der Männerkleidung, den Kopf wie eine riesige Scheibe vom Körper abzutrennen.
Die Hemdkrause wird im Laufe der Zeit immer breiter, bis sie sich schließlich zu einem eigenständigen, vom Hemd losgelösten Kleidungsstück entwickelt.
Die Frauenkleidung ist noch enger und steifer als die der Männer. Die natürlichen Formen werden völlig negiert, Ober- und Unterkörper zu geometrischen Dreiecken stilisiert. Erreicht wird dieser Effekt durch die Erfindung des Korsetts. Zwar kannte man Vorformen des Korsetts bereits im Mittelalter, aber erst am spanischen Hof wird dieses Kleidungsstück mit jenen Eisen- und Fischbeinstäben versehen, mit deren Hilfe es möglich ist, den Oberkörper der Frau der jeweiligen Mode entsprechend zu stilisieren, d.h. in Spanien zu einem spitzen Kegel umzuformen. Das teilweise mit Bleiplatten gepanzerte Mieder lässt die Wölbung der Brust völlig verschwinden.
Beak shoes (medieval poulaines) were an inseparable part of Gothic fashion.
Auch die Ärmel gleichen denen der Männerkleidung, d.h. sie werden ebenfalls an der Schulter mit Wülsten und teils zusätzlichen Hängeärmeln versehen. Die zweite Erfindung der spanischen Mode ist der Reifrock, genannt Vertugado, mit dessen Hilfe der untere Kegel des Gewandes gebildet wird. Er erfreut sich in Spanien so großer Beliebtheit, dass man Jahrhunderte an ihm festhält. Als er in den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts an europäischen Höfen bereits wieder abgelegt wird, nimmt er in Spanien immer größeren Umfang an.
Das Oberkleid wird teils nur bis zur Taille geschlossen, so dass das Unterkleid sichtbar bleibt, das noch einmal die so beliebte Dreiecksform bildet. Streng und steif wie die Kleider sind auch die Frisuren und Kopfbedeckungen. Auf den hoch frisierten Haaren thront zuweilen ein kleiner Hut, dessen Form der männlichen Kopfbedeckung entspricht, ein mit Perlen ausgeschmücktes Käppchen oder ein Perlendiadem. Der spanische Kleidungsstil in England unterscheidet sich einerseits durch Übertreibung der spanischen Formen, ist andererseits aber weniger steif und in den Farben heller und freundlicher. Für die späte Regierungszeit Königin Elisabeths charakteristisch ist der Reifrock, der bereits in der Taille mit enormer Breite beginnt sowie der hochgestellte Stuartkragen, der zusammen mit den „Flügeln“ das Dekolleté einrahmt. Die Italienerin passt sich mit einigen Abweichungen der spanischen und englischen Mode an: Die Farben sind häufig heller, das Dekolleté beschreibt ebenfalls den umgekehrten Bogen und ist mit einem perlenbestickten Netz belegt. In der Männermode weichen Wams und Hose vom spanischen Vorbild ab; die Hosenbeine sind schmal und verlängern sich zur Kniehose. Auch für die Französin ist das Korsett unumgänglich, beim Reifrock findet sich sowohl die spanische Form des Vertugado als auch die englische tonnenförmige Form. Im deutschsprachigen Raum kann sich der spanische Kleidungsstil zunächst nur schwer etablieren. Zuerst wird er vom österreichischen Hochadel und von den deutschen Fürsten der Gegenreformation, also im katholischen Süden, übernommen und greift von da aus langsam - wenn auch nie ganz vollständig - auch auf den Norden über.
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