Der Welthandel nimmt in den 90er Jahren einen schwunghaften Aufstieg. Immer mehr technische Erfindungen werden gemacht, immer mehr neue Rohstoffe und Materialien werden geliefert. Diese Zeit der 'Belle Epoque' hält bis zu Beginn des ersten Weltkrieges an. Belle Epoque Greift man bis zur Mitte der 90er Jahre in der Mode noch auf vergangene Formen zurück, vor allem auf die riesigen Keulenärmel des Biedermeier, so entwickelt sich um 1895 ein ganz neuer Stil: der 'Jugendstil'. Charakteristisch für die Mode des Jugendstils ist die schmale Silhouette. Der Rock wird ohne Untergestelle und mit nur einem Unterrock getragen. Er legt sich um die Hüften extrem eng an, um sich nach unten hin mittels aufspringender Falten und Plissees umso stärker auszuweiten. Daraus entwickelt sich der Glockenrock, der in mehreren oben schmalen und unten breiten Bahnen geschnitten ist.
Für diesen ist häufig sogar im Vorderbereich eine Überlänge vorgesehen, so dass er beim Gehen gerafft werden muss. Der dabei sichtbar werdende Unterrock - der Jupon - wird zu einem wichtigen Bestandteil der Mode und ist bisweilen kostbarer als das darüber getragene Kleid. Er ist immer aus Seide gefertigt. Um die untere Rockweite zu betonen und stabil zu halten, erhält der Unterrock eine Anzahl von Rüschen.
Die berühmte S-Linie mit der vorgewölbten Brust wird mittels eines neuartig geschnittenen Korsetts erreicht, das nicht nur die Taille, sondern auch den Bauch eng schnürt, und zwar so eng wie nie zuvor. Taillen von 55cm und weniger sind Durchschnitt.
Dieses jegliche anatomischen Gegebenheiten ignorierende Korsett und die enge Schnürung desselben führt sogar zu Todesfällen und damit zu einem Ende der Korsett-Ära. Künftige Modelle dienen nicht mehr der Modulation der Formen, sondern der Verstärkung und Stützung des Körpers
Um die Jahrhundertwende erfreut sich die Bluse immer größerer Beliebtheit, zunächst nur bei den arbeitenden Frauen, später auch in den höheren Gesellschaftsschichten, wo sie aus kostbaren Materialien gefertigt ist. Sie bildet eine ideale Ergänzung zum Kostüm, das aus der Bekleidung nicht mehr wegzudenken ist. Häufig ist sie mit einem hohen Stehkragen versehen, der bis 1912/1913 in Mode bleibt. Eine Neuerung in der Mode ist die Einführung von Sportkleidung. Bereits in der frühen Belle Epoque finden wir spezielle Kleidung für das Fahrradfahren, das zu den beliebtesten Sportarten zählt. Die Röcke werden deutlich kürzer; Es entstehen spezielle Tennis-, Golf-, Wanderkleidung und Badeanzüge. Anfang des 20. Jahrhunderts auch Kleidung für den Automobilsport. Ursprünglich aus der englischen Sportmode hervorgegangen, bildet das "Tailor made" - das vom Herrenschneider gefertigte Kostüm - seit Ende des 19. Jahrhunderts einen festen Bestandteil in der Mode. Es wird von allen Schichten getragen und kommt den Frauen, die zunehmend die Arbeitswelt erobern, sehr gelegen. The jacket of the costume is more or less cut tight at the waist, sometimes even in a straight line. Costume skirts are also found light ruffles, often the skirts are divided in the front center and run out to the hem in arches. Zu einem wichtigen Bestandteil der Garderobe wird der Mantel. Alle Formen von einem taillierten Schnitt bis hin zu einer sackartigen Gestaltung sind zu finden. Schnitt und Material richten sich nach dem jeweiligen Anlass. Mit dem Aufkommen des Automobilsports gibt es auch die ersten Automäntel, deren Aufgabe vor allem darin besteht, die Trägerin vor Schmutz und Staub zu schützen. Sie sind gefertigt aus robusten Materialien und in einem geraden bequemen Schnitt gehalten. Abendmäntel hingegen bestehen aus kostbaren Materialien wie Damast und Brokatstoffen, oftmals pelzverbrämt oder gänzlich aus Pelz bestehend.

Beliebt ist der sogenannte Cocoonmantel, der bis zur Taille sehr weit geschnitten ist und sich zum Saum hin stark verjüngt.
Sehr in Mode sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts übergroße Hüte, die ihren größten Umfang um 1910 erreichen. Sie sind verschwenderisch mit Blumen, Federn, Tüllschleiern und Bändern dekoriert. Ab 1911 nimmt das Volumen wieder ab, die Hüte steigen eher in die Höhe.
Gegen Ende der Belle Epoque, 1910/1911, wird der Rock auch im unteren Bereich zunehmend schmaler bis hin zum sogenannten Humpelrock, der es seiner Trägerin unmöglich macht, sich mit normalen Schritten vorwärts zu bewegen. Es ist darin nur ein trippeln und humpeln erlaubt.
1912 - 1914 wird der Rock wieder etwas weiter. Bei den Abendkleidern ist er häufig mit einer eckig oder spitz auslaufenden Schleppe versehen, raffiniert gerafft, bestickt und in mehreren Schichten übereinander gelegt. In der Abendmode gehören Chiffons, Crepe de Chine, Spitzenstoffe und andere zarte transparente Materialien zu den Favoriten dieser Epoche. Bereits in den 1880er Jahren wurde der Ruf nach einer grundlegenden Veränderung, vor allem der Abschaffung des Korsetts, laut. Es entwickelte sich die Reformkleidung, die parallel zur eleganten Mode über zwei Jahrzehnte besteht. Die Kleider sind wenig bis gar nicht figurbetont, ihre Gestaltung geht stark ins Kunstgewerbliche. In der ausgehenden Belle Epoque, d.h. in den 1910er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg erreicht die Mode ihre bis dahin größte Verfeinerung. Der Einfluss des Orient mit seiner Pracht ist unübersehbar. Aber auch japanische, griechische und ägyptische Vorlagen lassen sich nachweisen. Dazu zählen z.B. die Kimonoblusen und die raffiniert in Falten gelegten Röcke. Viele der Modeschöpfer und Kostümbildner verstehen sich in erster Linie als Künstler, die auch auf dem Gebiet der Bildenden Kunst erstaunliche Leistungen aufzeigen, wie z.B. Mariano Fortuny, Leon Bakst oder Paul Poiret.

Der Stil, vor allem in der Abendgarderobe, ist entsprechend ein sehr malerischer: geschickte Drapierungen, verschiedenste übereinander gelegte Stofflagen aus kostbaren Materialien, teils versehen mit Perlenstickereien und antike Spitzen ergeben ein sehr differenziertes Gesamtbild.
Die Phantasie und Lebensfreude, die sich in den 1910er Jahren in der Mode äußert, findet ein jähes Ende mit dem Beginn des 1. Weltkriegs. Nach dessen Ende 1918 hat sich die Gesellschaft und in der Folge der Kleidungsstil grundlegend zum Praktischen und Nüchternen hin verändert.
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